Kategorie-Archiv: Polen

International conference in Kracow: How to effectively promote women’s participation in politics, business and culture?

Here you find a short report about the conference (in german) written by Lia Lang, Katrin Unger and Claudia Neusüß.
01Notenoughtobeawomen_Bericht_Krakautagung_cn_ll.pdf
Concept
Ahead of International Women’s Day, the conference would aim at identifying ways to enhance women’s role and participation in political, economic and cultural life, both in Europe and beyond. One day. Three languages (Polish-English-French). Organizers
Institut Français, Goethe-Institut, Istituto Italiano di Cultura, British Council
(“EUNIC” Cluster Cracow)
Instytut Studiów Strategicznych (Kraków) / Institute for Strategic Studies (Kracow)

Location
International Cultural Center, Rynek Glowny
Side-events :
Dancing performance sponsored by Italian Cultural Institute (at ICC, 16 :30)
Photo-exhibition on Afghanistan (“Simplement femmes”) at Institut français (17:30)

10:00 Arrival and registration of participants
10:30 Welcoming address by Mrs Anna Szymańska-Klich, President of the board (ISS), followed by Mr Alexis Chahtahtinsky, Consul General of France and Director of Institut Français in Cracow
10:45 – 12:15 First panel : “How to promote women’s participation in politics ?”
– moderator : Mrs Marta Szostkiewicz (confirmed), Radio Kraków
– participants :
Mrs Jolanta Kwasniewska (confirmed) : “Women and politics : my own experience”
Mrs Janina Paradowska (confirmed), “Polish women in politics and journalism”
Mrs Roza Thun (confirmed) “Polish women in European politics”
Mrs Claudia Fornari (confirmed) “Women and politics in contemporary Italy”
Mrs Brigitte Grésy (confirmed), “The French experience in legislation and good practices”
discussion
12:30 – 14:00 Second panel : “How to promote women’s participation in economic and professional life ?”
– moderator : Mrs Renata Kim (confirmed), Wprost
– participants :
Mrs Hanna Gronkiewicz-Walz (tbc) “My experience in business and politics”
Mrs Urszula Gacek (confirmed), “Women and diplomacy”
Mrs Muriel de Saint Sauveur (confirmed), “Would a female world be better for business ?”
Mrs Claudia Neusüss (confirmed), “Gender in economy”
Mrs Sonia Draga (tbc) “Polish women : a driving force for the economy”
or Bosch or Likus representative (tbc) / or British Council representative (tbc)
discussion
14:00 – 15 :00 Lunch-break with on-site buffet-lunch for all registered participants
15:00 – 16:30 Third panel : “How to promote women’s role in culture, education and society ?”
– moderator : Mr Grzegorz Jankowicz (confirmed), Tygodnik Powszechny
– participants :
Mrs Magda Sroda (tbc) “The situation of women in Polish society yesterday, today and tomorrow”
Mrs Jolanta Kurska (confirmed) “The Bronislaw Geremek Foundation and gender equality in Poland”
Mrs Beata Stasinska (confirmed) “The economics of culture & gender”
Mrs Ewa Bielecka (confirmed), “How women can make a difference for children and society”
HE Mrs Monika Kapil Mohta (confirmed), “Women’s responsibility in educating children with a gender balanced view of society”
Mrs Danuta Glondys (confirmed) “How to empower Polish women today”

"100 Jahre Frauentag – Bürgerengagement der Frauen in Deutschland und Polen"

Vom 21.-23.Oktober 2011 findet die Jahrestagung des Vereins Nachbarschaft in der Mitte Europas in Frankfurt (Oder) und Slubice an der Europa Universität Viadrina statt.

In diesem Rahmen diskutiere ich auf einer Podiumsveranstaltung zum Thema 100 Jahre Frauentag – Bürgerengagement der Frauen in Deutschland und in Polen für einen europäischen Kulturdialog gemeinsam mit Prof. Dr. Malgorzate Fuszara, Gleichstellungsministerin im Schattenkabinett des Kongresses der Frauen, Prof. Dr. Bozena Choluj, Deutsch-Polnische Literaturbeziehungen und Gender Studies an der Europa-Universität, Sylwia Chutnik, Autorin und Vorsitzende der Stiftung MaMa Warschau sowie Teresa David, Vorstandsmitglied des Polnisch-Deutschen Frauenforums. Die Veranstaltung findet statt an der Europa-Universität Viadrina, Audimax, Logenstr. 2. in 15230 Frankfurt (Oder), 16:30-18:30 Uhr.

Interview mit Dr. Kinga Dunin

Agnieszka Pawlak, Projektassistentin in meinem Büro, sprach mit Dr. Kinga Dunin zur gleichstellungspolitischen Lage in Polen. Dr. Kinga Dunin ist Soziologin, Literaturkritikerin und Schriftstellerin. Sie publiziert regelmäßig in Wysokie Obcasy, einem Frauenextra von Gazeta Wyborcza, der größten polnischen Tageszeitung.
Sie schreibt auch für Krytyka Polityczna, einer sozial-politischen Zeitschrift, dessen Ziel es u.a. ist, eine neue linke Bewegung in Polen aufzubauen. 2004 hat sie die Grüne Partei in Polen mitgegründet. Sie lebt in Warschau und arbeitet dort an der Medizinischen Universität.

In diesem Jahr feierte die zum Frauentag organisierte Manifa, eine alljährliche Demonstration organisiert von feministischen Gruppen in den Großstädten Polens, ihr 10-jähriges Jubiläum. Was wurde durch sie in dieser Zeit in Polen verändert? Warum ist es immer noch wichtig, zu demonstieren und für Frauenrechte zu streiten?

Die ersten Manify waren gegen-kulturelle Ereignisse, die auf die Problematik der Gleichstellung der Frauen mit der Methode des Skandals aufmerksam gemacht haben. Längst stellen sie keinen Skandal mehr dar, sondern ein jährliches Ereignis, das daran erinnert, dass die Frage der Gleichstellung der Frauen in Polen immer noch präsent ist. Arbeitergruppen haben sich den Manifestationen angeschlossen, statt chauvinistischer Kommentare informieren die Medien ziemlich aufrichtig über die Postulate der Frauenbewegungen. Die Manify sind wie ein großes Aushängeschild unserer Aktivitäten – Dank ihnen finden Frauen ihren eigenen Weg zum Feminismus… der Mainstream wird gezwungen, sich mit den Themen zu beschäftigen, die oft missachtet werden.

Gleichstellung betrifft alle Menschen. Die Änderung der Situation der Frauen beeinflusst auch die Situation der Männer. Ich meine damit z.B. die Aufgabenteilung in der Familie. Wie steht es in Polen mit dem Engagement der Männer in Sachen Gleichstellung?

Es traten Männer hervor, die sich als Feministen deklarierten, im vergangenen Jahr haben viele bekannte Männer einen offenen Brief unterschrieben und ihre Bereitschaft erklärt, die Gleichstellung der Geschlechter zu befördern. Das kulturelle Männerbild ändert sich, vor allem das des Vaters. In diesem Jahr wurde endlich der Vaterschaftsurlaub eingeführt, in der kleinen Dimension von einer Woche, aber immerhin.

Diesjähriges Motto der Manifa war: „Solidarisch in der Krise. Solidarisch im Kampf.“ Wie sieht die Solidarität der Polinnen in der Zeit der Krise aus? Kann man eine Intensivierung der Zusammenarbeit beobachten?

Ja, die Kooperation zwischen feministischen Gruppen und den Gewerkschaften in weiblichen Berufen – Krankenschwestern, Supermarktmitarbeiterinnen, Lehrerinnen – wird enger.

In Deutschland wird wegen der Wirtschaftskrise eine Debatte über die Präsenz von Frauen in Aufsichtsräten, Vorständen von Unternehmen, Banken etc. geführt. Andere, auch damit verbundene Themen sind: Lohnungleichheit, Teilnahme der Frauen an der Politik und ihr Zugang zu den höchsten politischen Ämtern. Womit beschäftigt sich die aktuelle Debatte in Polen?

Immer noch mit reproduktiven Fragen, mit dem Recht auf legale Abtreibung, sexuelle Erziehung. Diese Debatte wird von den konservativen Mächten blockiert, kehrt aber immer wieder zurück. Neuerdings als Auseinandersetzung in der Sache der Zulassung der in vitro Befruchtung. Die neuste und heißeste öffentliche Debatte bezieht sich auf die Einführung der Parität auf den Wahllisten.

Ich möchte Sie auch fragen, welche Eindrücke Sie auf dem im Juni 2009 stattgefundenen Frauenkongress gesammelt haben. Dieses Ereignis wurde von den deutschen Medien ganz übersehen, aber Beobachterinnen der Frauenbewegung in Polen glauben, dass es zu Unrecht geschah. Was war für Sie das Wichtigste, wenn es um das Programm und den Ablauf des Kongresses geht und auch um dessen Einfluss auf die Situation der Frauen in Polen?

Das Wichtigste ist wahrscheinlich, dass sich eine breite, „über die Spaltungen“ hinaus gehende Frauenbewegung formte. Es gelang, eine gemeinsame Handlungsbasis zu finden – den Kampf um die Parität. Es gelang auch, 150.000 Unterschriften für einen bürgerlichen Gesetzesentwurf zu sammeln und diesen in die Debatten des Parlaments einzubringen.

Ich bedanke mich für das Gespräch!

Agnieszka Pawlak im Team

Agnieszka Pawlak ist gelernte Soziologin und hat sich wissenschaftlich mit Fragen nationaler Identität beschäftigt. Ehrenamtlich arbeitet sie bei XENION e.V., einer Organisation, die traumatisierte Flüchtlinge aus allen Regionen der Welt betreut. In dem Zusammenhang ist sie auch als Mentorin tätig. In meinem Büro ist sie mit Fragen interkultureller Diversität befasst und mit politischer Lageeinschätzung zur Frauen- und Geschlechterpolitik in Polen.

Tagung in Warschau: Toleranz, Respekt und Achtung

Am 4. und 5. Dezember 2007 veranstaltete das österreichische Kulturforum Warschau und der Lehrstuhl für Gender Studies der Universität Warschau eine Tagung zum Thema Unterschiede zwischen Toleranz und Respekt.
Mein Vortragsthema in diesem Rahmen: „Vorteile gesellschaftlicher Vielfalt“.

v.l. Prof. Krzysztof Wielecki, Prof. Bozena Choluj, Dr. Ursula Kubes-Hoffmann, Dr. Claudia Neusüß

Hier ein Tagungsbericht von Anke Ochsenreither, Trainee in dem von mir geleiteten Trainingsprogramm „Gender Mainstreaming und Antidiskriminierung“.

Konferenzbericht:

Wir sind alle auf unsere Art und Weise einzigartig und haben Respekt verdient – so könnte man die vom Österreichischen Kulturforum und den Gender Studies der Universität Warschau veranstaltete Internationale Konferenz zusammenfassend beschreiben. Auf der Suche nach dem „Unterschied zwischen Toleranz und Respekt“, so der Titel der Konferenz, waren am 4. und 5. Dezember unterschiedlichste Rednerinnen zusammengekommen. Die Geladenen berichteten aus den verschiedensten disziplinären Herangehensweisen und Blickwinkeln, ließen uns aber auch an ihrer alltäglichen Praxis teilnehmen. In Inputreferaten wurden aus dem jeweiligen Bereich die Erkenntnisse vorgestellt.

Zunächst einmal ging es um die Klärung der grundlegenden Begriffe, die neu aufgerollt und entfaltet wurden; unter anderem wurde von Ursula Kubes-Hofmann auf die Selbstachtung verwiesen, die in engem Zusammenhang mit einer Befähigung und der Fähigkeit zur Anerkennung (von anderen) steht. Unterschiede zwischen Menschen werden generiert und beibehalten, damit Machtunterschiede aufrechterhalten werden können. Um Probleme lösen zu können, ist eine Kommunikation zwischen allen Beteiligten nötig. Es sollte auf die Betroffenen gehört werden, denn es ist nicht möglich, Probleme für andere zu lösen sondern nur mit anderen.

Dies konnte auch von Joanna Skozcek bestätigt werden. Sie arbeitet im Rathaus Warschau in der Abteilung für Behindertenfragen und forderte alle von Diskriminierung direkt betroffenen Personen wie aber auch Personen, die Diskriminierung von anderen bemerken, sich an das Rathaus zu wenden. Nur so kann das Rathaus entsprechend reagieren und ein Abbau von Diskriminierung gelingen.

Auf der theoretischen Ebene wiederum setzte sich Daniel Bischur für einen Begriff des „Prinzips der Toleranz“ ein, der über die reine alltägliche Vorstellung von Toleranz hinausgeht. Toleranz stehe demnach für ein moralisches Prinzip mit Verpflichtungscharakter, das aus einer Ablehnung- wie auch Zustimmungskomponente besteht. Hier werden die Grenzen von Toleranz sehr deutlich gemacht: bis zu welchem Punkt toleriere ich etwas, aber an welchem Punkt beginne ich, etwas „Anderes“ abzulehnen? Krzysztof Wielecki referierte über die Notwendigkeit von Identitätsbildung in einer momentan sehr unsicheren Zeit, die auf Grund der fortlaufenden Transformation der polnischen Gesellschaft notwendig werde.

Auf eine sehr anschauliche Art und Weise, die das Publikum mit einbezog und persönlich ansprach, entwickelte Claudia Neusüß ihre Ideen zur „Vielfachen Vielfalt“. Auch in der Gleichstellungspolitik ist Vielfalt eine neue Herausforderung, der mit Diversity Management begegnet werden kann. Ob dabei aber die Geschlechterfrage hinterrücks fällt, oder ob Gender und Diversity „Albtraum oder Traumpaar“ werden, das hängt von der jeweiligen Praxis ab.

Im 2. Podium ging es um eine der großen Fragen, die sich durch die Inputreferate aber auch durch die Diskussionen und privaten Gespräche zog: die nach dem Punkt oder der Grenze, wann Toleranz und Respekt brechen, d.h. was wir als „zumutbar“ erleben und was wir als so „anders“ erleben, dass wir damit nicht umgehen können oder wollen? Dabei plädierte Mouhanad Khorchide über die Notwendigkeit eines aufgeklärten, modernen Islams, der sich als Beitrag zu einer offenen Gesellschaft versteht. Elżbieta Rajczak teilte mit uns ihre Erfahrungen als „Andere“ in der Gesellschaft, d.h. ihr tagtägliches Erleben als rollstuhlfahrende Frau, die toleriert und als anwesend erkannt wird. Wenn sie aber dem „Kollektivinteresse im Weg steht“, dann wird aus Toleranz eher das Interesse, das Problem schnell aus dem Weg zu räumen. Sie verwies auf den Fuchs aus dem Kleinen Prinzen; wir sollten uns mit den Unterschieden der Anderen vertraut machen und das Anderssein in die offene Gesellschaft aufnehmen.

Robert Biedroń sieht das Erkennen des „Anderen“ ebenfalls als Abwehrmechanismus, wenn Menschen etwas unvertraut erscheint. Die Frage nach der Assimilation oder der Integration von „anderen“ Personen endet meist mit einem Verzicht der „Anderen“ auf ihre Andersartigkeit. Mit einem Bericht über die Lage der Frauen in Bulgarien eröffnete Theodora Karamelska, uns neue Blicke auf ein europäisches Land, das noch mitten im beginnenden Transformationsprozess steckt. Dabei verwies sie auf die Schwierigkeiten in Bezug auf die politische und gesellschaftliche Teilhabe von Frauen.

Am zweiten Tag der Konferenz wurde vor allem auf die Vorteile, die Vielfalt in einer Gesellschaft haben kann, geschaut. Ewa Rutkowska eröffnete den Tag mit Informationen zum Stand der Diversity-Management-Umsetzung in Polen. Diversity ist vor allem ein Mittel, mit dem Ungleichheiten auf dem Arbeitsmarkt verändert werden können. Schwierigkeiten mit diesem Mittel sah Ewa Rutkowska vor allem in Bezug auf die kleineren Unternehmen und in der möglichen Ausnutzung von Diversity als rein ökonomisches Prinzip ohne moralischen Anspruch.

Yga Kostrzewa referierte über die Haltung der polnischen Gesellschaft und Politik gegenüber von Schwulen, Lesben, Bi- und Transgender-Personen. Vor allem gegenüber Schwulen sei die Gesellschaft negativ eingestellt, sie werden als „Import aus dem Westen“ gesehen. Lesben hingegen werden nicht als seriöse Personen wahrgenommen, sie haben kein politisches Gewicht. Über die Kunst und ihre Möglichkeiten politisch zu sein, referierte Paweł Leszkowicz. Er zeigte Bilder, die aus verschiedenen Ausstellungen über das private und intime Leben stammten. Darunter waren Bilder von gleichgeschlechtlich lebenden Paaren zu sehen, eine Ausstellung die 2003 in Polen großes Aufsehen erregte.

Dabei sieht Paweł Leszkowicz die Rolle der Demokratie in der Verinnerlichung, als eine Art intime Demokratie. Durch diese lässt sich eine neue Sicht auf die Beziehungen von Ästhetik, Erotik, Ethik und Politik eröffnen.

Über die Erfahrung von Behindert-Sein/Werden aus der Sicht von Multiple Sklerose-Erkrankten berichtete Izabella Czarnecka. Auch aus ihren Worten wurde deutlich, so nötig auch Gesetzgebungen und Richtlinien und deren Auslegung und Dehnungsmöglichkeiten sind, dass es nicht nur darum geht, fixe Gesetze zu haben sondern auf jede einzelne Person und deren Bedürfnisse einzugehen.

Als Abschluss eröffnete Eva Posch-Bleyer Wege und Möglichkeiten, wie vor allem Kinder angstfrei und respektvoll mit „den Anderen“ umgehen lernen können. Schlüssel zu einem solchen Umgang ist Empathie; d.h. die Fähigkeit, auch einen Perspektivwechsel vorzunehmen.
So vielfältig wie die Referate, Berichte und Inputs, so groß war der Diskussionsbedarf unter den Anwesenden. Längst reichte die Zeit nicht aus, so dass alle Kaffee-Pausen zum eifrigen Weiterdiskutieren und Vernetzen genutzt wurden. Damit wurde sozusagen der Schlüssel zu einer möglichen Verständigung gelegt: die Kommunikation, der Dialog, die Diskussion sind die Möglichkeiten, die wir haben, um uns zusammenzubringen und uns kennen zu lernen.

Abschließend brachte Bozena Choluj, eine der VeranstalterInnen, es auf den Punkt: „Nächstes Mal brauchen wir auf alle Fälle einen Rahmen von mindestens 3 Tagen, um unseren Diskussionsbedarf stillen zu können.“

Prof. Dr. Bozena Choluj zum Konzept der Tagung:

Im Rahmen dieser interdiziplinären Tagung wird die Bedeutung und die Funktion der beiden Begriffe Toleranz und Respekt bzw. Achtung untersucht. Die multikulturellen Erfahrungen in den Ländern der Europäischen Union sowie in den Vereinigten Staaten haben gezeigt, dass die Idee der Toleranz, die bis heute deutlich positive Konnotationen hat und die zum ständigen Element der nationalen und internationalen Politik wurde, nicht ausreichend ist.

Die Toleranz lässt zwar die friedliche Koexistenz der kulturellen Unterschiede und der sie vertretenden Menschen zu, lädt diese aber nicht zur Kommunikation ein. Zwar besteht die Bereitschaft, viele Unterschiede zu dulden, aber dies nur bis zu dem Punkt, an dem die Abgrenzung zu diesen Unterschieden möglich ist und diese Unterschiede den Einzelnen nicht direkt berühren. Die Toleranzschwelle sinkt automatisch, sobald in der nächsten Umgebung des Einzelnen ein Unterschied sichtbar wird, der bisher nur bei anderen geduldet wurde.

Erst die Achtung der Unterschiede befreit uns von der Angst und Feindlichkeit gegenüber den betroffenen Menschen. Wie kann eine solche Achtung erreicht werden? Welche Mechanismen können behilflich sein, um ein politisches und gesellschaftliches Toleranzprojekt in ein Projekt der Achtung umzuwandeln?

Die Tagung setzt sich zum Ziel, diesen Fragen im Zusammenhang mit schwierigen und zum Teil auch tabuisierten Themen wie z.B. Widerwille gegen einige religiöse oder ethnische Gemeinschaften, Diskriminierung von Frauen, Homosexuellen, oder von Personen, die stets mit einem nicht adäquatem Begriff der Behinderung bezeichnet werden, nachzugehen

Diese interdisziplinäre Tagung soll versuchen, Antworten auf diese Fragen zu geben bzw. Lösungen vorschlagen, die die Fähigkeit der Menschen, Achtung zu entwickeln, fördern.

Auch soll der Kunst ein Platz eingeräumt werden, die sehr oft Pionierarbeit beim Aufgreifen von schwierigen Themen leistet.

Nach dem politischen Umbruch in Ost- und Mitteleuropa, und noch deutlicher nach der Erweiterung der Europäischen Union erfolgt in diesem Teil Europas eine intensive und vielseitige Ausdifferenzierung der Gesellschaft: es sind nicht nur die neuen kulturellen Unterschiede in Folge der größeren Mobilität im Rahmen der EU zutage getreten, sondern auch diejenigen, die jahrelang wegen der herrschenden Normen oder der Atmosphäre des Widerwillens gegen sozialhilfsbedürftige Personen ausgeblendet wurden.

Gleiche Rechte für alle Menschen unabhängig von ihrer Herkunft, Hautfarbe, Geschlecht, sexueller Orientierung und Leistungsfähigkeit unter veränderten politischen Bedingungen bedeuten keinesfalls die Gleichmachung aller Menschen und damit im Zusammenhang die Nivellierung der Unterschiede.

Es handelt sich viel mehr um die Wertschätzung der Unterschiede, die die Kommunikation zwischen den einzelnen Personen, Institutionen und Kulturen ermöglicht. Gemeint ist hier jene Kommunikation, die die Achtung der Unterschiede zulässt, ohne welche es keine Chance für eine dynamische Entwicklung und die Bereicherung der Kultur gibt.

Unterschiede, die als Bereicherung und nicht als Belastung empfunden werden, bedürfen riesiger Änderungen in der persönlichen Einstellung.
Im Jahr der Gleichheit sind die Menschen aufgerufen, sich Gedanken über neue Mechanismen zu machen, die zur neuen Sicht auf die Bedeutung des Unterschieds, ja auf die Vielfalt der Gesellschaft beitragen könnten.

Programm:

1 Podium: Die respektierte Vielfalt und die nicht erwünschten Unterschiede
Welche Unterschiede gibt es überhaupt? Wann ist die Toleranz möglich und wann die Achtung? Innerhalb der Toleranz erwarten wir kulturelle Vielfalt, bringen aber einigen Unterschieden gegenüber keine Achtung auf. Die Bereitschaft der Achtung beschränkt sich allzu oft auf Bekanntes und Gefälliges. Wodurch unterscheiden sich die Menschen voneinander, woran merken wir die Unterschiedlichkeit der Menschen, warum betonen wir gerade das, was uns von den anderen unterscheidet?

2. Podium: Unterschiede: achten oder nivellieren oder politische, gesellschaftliche und psychologische Probleme mit den gesellschaftlichen Unterschieden
Was verhindert die reale Achtung der Unterschiede? Ignoranz bedeutet nicht Aufhebung der Unterschiede. Was heißt: Unterschiede aushalten? Muss Gleichheit Utopie bleiben? Welche Wege führen zu einer offenen Gesellschaft?

3. Podium: Vorteile der gesellschaftlichen Vielfalt
Diversity im sozialen, kulturellen und politischen Bereich, Konfliktmanagement, reale Profite aus der Vielfalt des Arbeitsteams ziehen, Qualitätssicherung durch Gleichstellung der Geschlechter, es sind heute keine hohlen Formeln. Mit diesen Denkansätzen und Modellen arbeiten heute Beraterinnen und Berater großer Firmen, Nichtregierungsorganisationen, die es müde sind, Gleichheit bloß zu postulieren oder von anderen zu verlangen. Die kreative, innovative und konstruktive Vielfalt erreichen sie durch Integration der Unterschiede. Wie sieht ihre Praxis aus? Wie mobilisieren sie dabei vorhandene Unterschiede?

Cracow: How to become a change agent for gender and diversity

Vom 12. – 14. September 2007 fand das dritte Modul im Rahmen des Train-the-Trainer Programms Gender Mainstreaming und Antidiskriminierung in Krakau statt.

Im Mittelpunkt standen die Workshop- und Trainingspraxen der Teilnehmenden, die Gender Analyse sowie das Gender Budgeting als Methode der gendersensiblen Haushaltsführung. Meine Co-Trainerin war diesmal Olga Pietruchova aus Bratislava/Slowakei. Sie informierte über Umsetzungspraxen in der Slowakei.

Die insgesamt 20 TeilnehmerInnen kommen aus Weissrussland, Deutschland und überwiegend aus Polen.

Kooperationspartnerin: Frauenstiftung eFka.

Das Projekt ist EU- gefördert im Rahmen des Europäischen Jahrs – Chancengleicheit für Alle.

Das Training richtet sich an Teilnehmende mit Vorkenntnissen im Bereich Frauenempowerment, Gender oder interkultureller Arbeit und didaktischen Vorerfahrungen. Nach zwei Modulen ist eine erste Praxisphase geplant.
Die Module werden von TrainerInnen aus Deutschland, der Slowakei und Polen geleitet.

TrainerInnen (Modul1) 29. – 31 Mai:
Claudia Neusüß / Christian Raschke (Deutschland)

Modul 2: 21. – 23. Juni 2007
Claudia Neusüß / Agata Teutsch (Polen)

Modul 3: 12. – 14. September 2007
Claudia Neusüß / Olga Pietruchova, (Slowakei)

Abschlussmodul: 16. – 17. Dezember 2007
Claudia Neusüß

Der Kurs ist ausgebucht.

Der Kurs findet auf englisch und deutsch statt. Wenn Sie Interesse an weiteren Infos haben, wenden Sie sich an mein Büro bzw. schicken Sie mir eine e-mail.

Cracow: How to become a change agent for gender and diversity?
From June 21 to June 23, 20 participants took part in the second of the three modules for the foundational train-the-trainer qualification taking place in Cracow/Poland. Focus of the module: Gender Mainstreaming and Anti-discrimination.

Cooperation: Women’s Foundation “eFka”.

The project is supported by the EU within the frame of the European year: equal opportunities for all.

The training is addressed to participants with previous knowledge in the field of women’s empowerment, gender or intercultural work as well as some previous didactic experience. After the second module it is planned to have an application phase to implement and transfer what has been learned into the participants’ own practice.
Trainers: Module 1: Dr. Claudia Neusüß / Christian Raschke (Germany)
Module 2: June 21-23, 2007 Dr. Claudia Neusüß / Agata Teutsch (Poland)
Module 3: September 12-14, 2007 Dr. Clauida Neusüß / Olga Pietruchova (Slovakia)

This course is fully booked.

The majority of participants are polish. The course is held in English. If you are interested in further information, please contact my office or send me an email.




Blicke über die Oder – Rzut oka za Odre

Deutsch-polnische Journalistinnen-Tandems – Polskiego-niemieckie tandemy dziennikarskie

Am 24. Mai trafen sich in Berlin auf Initiative des Journalistinnenbundes Journalistinnen aus Deutschland und Polen zum Austausch und zur Entwicklung gemeinsamer Projekte. Projektkoordinatorin: Ulrike Helwerth

Thema meines Impulsreferats:
Genderverhältnisse in Deutschland und Polen.

Gastgeberin war die Friedrich-Ebert Stiftung und die Leiterin des Forums Politik und Gesellschaft Anne Seyfferth